Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht

Die ersten Tage als Wieder-Dog Mom waren sehr anstrengend – und sind es noch. Quasi ein Fulltime-Job. Flores kam am vergangenen Mittwoch spätabends in Tegel an. Und war natürlich komplett durch den Wind. Ist ja auch kein Wunder, wenn man sein ganzes bisheriges Leben erst in einem türkischen Tierheim und dann, von der Organisation gerettet, in verschiedenen Pensionen offensichtlich nur unter Hunden verbracht hat und plötzlich in eine komplett andere Welt verfrachtet wird. Sie ist sehr ängstlich, drinnen hat sie einen die ersten Tage vefolgt und gefiept, wenn man nur aus dem Zimmer gegangen ist und die Tür zugemacht hat. Draußen ist es noch schwieriger. Sie hat einfach Angst vor allem, Menschen und Hunde gehen gar nicht. Sie ist die ganze Zeit extrem angespannt und fast ausschließlich damit beschäftigt, sich nach allen Seiten panisch umzuschauen. Gestern am See war sie etwas entspannter. Da war aber auch nicht so viel Trubel wie hier. Auf der anderen Seite merkt man aber, dass auch noch eine andere Art Hund in ihr steckt. Sie ist gestern von alleine ins Auto gesprungen, Autofahren klappt auch problemlos. Sie ist ins Wasser gegangen, nicht weit, aber immerhin überhaupt, sie hatte sowas ja noch nie gesehen. Sie kann richtig aufdrehen und dann muss man sie bremsen. Sie testet auch ganz gut Grenzen. Sie lernt wahnsinning schnell. Das ist gut und schlecht. Gut, weil sie schnell Fortschritte bei positiven Dingen macht, schlecht, weil eine schlechte Erfahrung genügt, um eine negative Verknüpfung herzustellen. Und ich? Lerne gerade Geduld. Und ruhig und gelassen zu sein, obwohl ich manchmal am liebsten ausrasten und schreien würde. Das wird wohl meine Lernaufgabe mit ihr. Mich zur Ruhe zu zwingen, obwohl ich es nicht bin, weil sie sehr sensibel ist und sofort merkt, wenn man unentspannt ist. Dass ich sie mit Jamie vergleiche, bleibt natürlich auch nicht aus. Manche Dinge kenne ich von ihm, viele Dinge aber auch nicht. Die lerne ich jetzt dazu. Ich werde mir in der nächsten Zeit auf jeden Fall eine Hundeschule/einen Hundetrainer suchen. Und mich weiterhin täglich den Herausforderungen stellen und über ihre Fortschritte freuen. Und mich in Geduld üben. Und mir immer wieder vor Augen halten: das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

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