Schreiben im Café

Ich vermisse es gerade sehr, im Café zu sitzen, Chai Latte oder Cappucchino zu trinken und meine Gedanken in mein Notizbuch zu schreiben. Diesen Satz hätte ich noch vor wenigen Jahren so nicht geschrieben. Da war nämlich im Café sitzen – noch dazu alleine – absolut nicht selbstverständlich für mich. Vor über einem Jahr habe ich in meinem Lieblingscafé in Berlin den folgenden Text geschrieben:

Ein kleines Cafe in Friedrichshain an einem Vormittag im Januar. Nur wenige Menschen sitzen heute hier, trinken Kaffee und arbeiten an ihren Laptops. Draußen ist es grau und kalt. Straßenlärm dringt gedämpft herein. Leise Musik mischt sich mit dem Geräusch der Kaffeemaschine. Ich bin froh, dass ich hier sitzen kann und Zeit habe, Cappucchino zu trinken und meinen Gedanken nachzuhängen. Es fühlt sich für mich noch ein wenig ungewohnt an. Noch nicht allzulange ist es her, da wäre es undenkbar für mich gewesen, ganz alleine entspannt in einem Cafe zu sitzen. Für andere ist es wahrscheinlich das normalste der Welt – für mich war es irgendwie zuviel von allem. Zuviele fremde Menschen. Würde ich mich da verloren fühlen – so ganz alleine? Und was denken die Leute von mir, wenn ich da so ganz alleine sitze? Wie so oft habe ich mir da viel zu viele Gedanken gemacht.

Lieblingscafé in Friedrichshain: das Milch & Zucker.

Weil tagsüber oft niemand Zeit hatte, hatte ich im Sommer in einem der vorhergehenden Jahre damit angefangen, alleine in meinem Lieblingscafe in Prenzlauer Berg Mittagessen zu gehen. Da habe ich mich auch erst unwohl gefühlt, aber ich habe es einfach so geliebt, im Sommer auf dieser wunderschönen Terrasse zu sitzen, dass ich mir bei all den „Was, wenn …“-Gedanken in meinem Kopf gesagt habe, dass es mir viel wichtiger ist, auf dieser tollen Terrasse zu sitzen und das schöne Wetter und das leckere Essen zu genießen, als was andere Menschen über mich denken könnten. Und siehe da: mit jedem Mal wurde ich entspannter. Später entdeckte ich dann mit einer Freundin dieses Café in der Warschauer Straße, in dem ich spontan wohlfühlte: supergemütliche Einrichtung, leckerer Cappucchino und leckeres Essen und eine entspannte Atmosphäre. Ich war dann auch alleine öfter da. Mit jedem Besuch wurde es mir vertrauter, ich verlor meine anfängliche Anspannung und fühlte mich wohler und selbstbewusster. Weil ich meine Angst überwunden und meine Komfortzone verlassen hatte.

Sommer in einem weiteren Lieblingscafé von mir: Anna Blume in Prenzlauer Berg

Ich war noch oft in diesem Café. Nach dem Umzug habe ich nach einigem Suchen und Ausprobieren (die Atmosphäre im Café muss einfach passen, ich muss mich sofort wohlfühlen) hier in der Stadt ein neues Café gefunden, in das ich regelmäßig gegangen bin, um zu schreiben. Nach ein paar Monaten fühlte es sich an wie mein zweites Wohnzimmer. Ich bin dort inzwischen sehr entspannt und kann mich so ins Schreiben vertiefen, dass ich, auch wenn es voll ist, alles um mich herum vergesse. Inzwischen schreibe ich sehr viel lieber im Café als zu Hause. Weil ich ja ohnehin schon zu Hause arbeite und mir ein Wechsel der Umgebung gut tut und mich inspiriert. Inzwischen gehe ich sogar am liebsten alleine ins Café. Ich kann ganz in Ruhe die Umgebung beobachten, Ideen sammeln, Löcher in die Luft starren. Ich fühle mich dann einfach frei.

Auch im Café in Leipzig immer dabei: mein Notizbuch.

Ebenfalls inspiriert hat mich das großartige Buch „Schreiben in Cafes“ (mit seinen vielen kleinen motivierenden und mutmachenden Kapiteln) von Natalie Goldberg. Durch die Autorin (und eine Bloggerin) bin ich überhaupt erst auf die Idee gekommen, das Schreiben in Cafes auszuprobieren. Also … ich vermisse es gerade sehr, ins Café zu gehen. Und ganz sicher wird das eins der ersten Dinge sein, die ich nach der Rückkehr zur Normalität tun werde.

5 Kommentare zu „Schreiben im Café

  1. Ich spüre zwischen Deinen Zeilen, wie sehr Du mit der Zeit in Deinem Cafe angekommen bist. Es ist sehr schön, dass Du diesen Ort in der Nähe hast.

    Wenn meine erste Empfindung richtig ist, dann bedeutet Dir das Schreiben viel. Ein Cafe kann dafür in mancherlei Hinsicht inspirierend sein.

    Ich habe leider keinen solchen Ort in der Nähe, und so bin ich nur sehr selten einmal in einem Cafe. Ich kann dann, wenn ich mal in einem bin, am ehesten „Gedankenfetzen sammeln“, aus denen dann später irgend etwas anderes wird. Ein Vers, ein Essay, eine Tagebuchnotiz – das ergibt sich meist erst später. Für das Verfassen eines eigentlichen Textes oder Gedichts brauche ich doch viel Abgeschiedenheit. In einem Cafe „passiert“ um mich herum zuviel, als dass mir zusammenhängendes Schreiben wirklich gelingen könnte.

    Ich finde es übrigens immer besondes schön, wenn ich auch mal einen anderen Menschen allein in einem Cafe sitzen seher. Und, wenn er oder sie dann noch ein Notizbüchlein neben sich oder aufgeschlagen vor sich liegen hats, dann fürhlt sich das für mich, egal wo ich gerade bin, immer wie ein bisschen Heimat an. – Ähnlich geht es mir mit Menschen, die ich allein irgendwo sitzend lesen sehe.

    Es gibt also auch Menschen, die gar nichts „über Dich“ denken, wenn sie Dich allein mit Deinem Notizbuch in einem Cafe sitzen sehen – sondern die sich vielmehr im Geiste mit Dir verbunden fühlen, denen Du als die, die Du bist, einfach gut tun. Allein durch Dein „da so sitzen“.

    Viele freundliche Grüße an Dich!

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    1. Danke für deinen lieben Kommentar 🙂

      Es freut mich sehr, dass ich es anscheinend so rüberbringen konnte, wie ich es empfinde.

      Ja, ich finde es wirklich sehr inspirierend, in einem Café zu schreiben, wohl einfach durch die Anregungen, die ich da von außen bekomme. Aber ähnlich wie du es beschrieben hast sammle ich dort hauptsächlich Ideen oder Gedankenfetzen. Oder ich schreibe einfach drauflos. Manchmal wird daraus ein Text – manchmal aber auch nicht. Meistens schreibe ich im Café eine „Rohfassung“ in mein Notizbuch, einfach weil ich total gerne mit dem Stift auf Papier schreibe. Zuhause tippe ich den Text dann ab bzw. überarbeite ihn. Den Text im Café komplett am Laptop zu schreiben, habe ich noch nicht ausprobiert. Ich kann mich im Café auch nicht immer gleich gut konzentrieren, wenn es nicht so voll und eher entspannt ist, klappt es sehr viel besser, als wenn z. B. sich direkt neben mir Menschen laut unterhalten. Die üblichen gleichförmigen Cafegeräusche kann ich ganz gut ausblenden, wenn ich vertieft bin. Grundsätzlich kann ich aber am besten schreiben, wenn es um mich herum richtig still ist und von außen nichts mehr auf mich einprasselt. Dann nehme ich meine Gefühle richtig wahr, die sonst oft überlagert werden.

      Ja, ich freue mich auch immer sehr, wenn ich Menschen mit Buch oder Notizbuch irgendwo sitzen sehe. Danke für deine schönen Gedanken im letzten Absatz, ich werde mir das in Zukunft vor Augen halten 🙂

      Liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

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