Schneckenhaus

Letzten Sommer habe ich in einer kleinen Bucht am See ein Schneckenhaus gefunden. Ich hob es auf und sah es an – und als es da so in meiner Hand lag, ging mir durch den Kopf, dass ich mich auch hin und wieder in mein Schneckenhaus zurückziehe. Mein Schneckenhaus ist ein wichtiger Zufluchtsort für mich – wenn die Welt mir zuviel ist, wenn ich überfordert bin, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle. Wenn ich einfach eine Pause brauche. In meinem Schneckenhaus komme ich zur Ruhe und kann meine Gedanken sortieren. Abschalten. Und Kraft tanken, die ich draußen wieder brauchen werde. In meinem Schneckenhaus fühle ich mich sicher. Und irgendwann habe ich dann das Gefühl, mein Schneckenhaus wieder verlassen zu wollen. Mit ausreichend Kraft und Energie für alles, was auf mich zukommt.

Das Schneckenhaus vom See liegt jetzt auf meinem Fensterbrett und erinnert mich daran, dass ich einen solchen Ort habe, an dem ich Ruhe und Kraft finde. Ein tröstlicher Gedanke – irgendwie.

6 Kommentare zu „Schneckenhaus

  1. Das ist eine sehr schöne Beschreibung. Ich empfinde sehr ähnlich, vielliecht ist das Schneckenhaus für mich noch mehr wirklicher Schutzraum. Ich brauche diesen Raum oft und seit einigen Jahren auch immer öfter und länger.

    Es ist sehr sympathisch, dass Du ein Auge für so kleine Dinge hast und ihnen tatsächlich etwas abzugewinnen vermagst. Das erinnert mich ein bisschen daran, das, wann immer ich an einem Meeresstrand bin, ich mich unwillkürlich immer wieder nach kleinen Steinchen, Muscheln usw. bücke. Und gar nicht so selten nehme ich dann einen so gefundenen kleinen „Schatz“ mit nach Haus. Und manchmal verschenke ich auch einige davon …

    Viele liebe Grüße an Dich! 🐚🙂

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    1. Ja, das geht mir ähnlich – früher habe ich viele Dinge noch irgendwie so weggesteckt. Oder vielleicht habe ich sie auch einfach ignoriert. In jedem Fall ist es gut, sich seinen Raum zu nehmen, den man braucht. Auch wenn das manchen Menschen nicht gefällt und sie einen quasi aus dem Schneckenhaus herauszerren wollen.

      Ja, so ein Meeresstrand ist voll von interessant aussehenden kleinen Dingen. Ich mag es auch sehr, Ausschau nach Muscheln, Steinen etc. zu halten und kann es kaum erwarten, das auch wieder tun zu können. Hier halte ich mangels Strand Ausschau nach anderen kleinen Dingen, Blüten, Blumen, kleinen Tieren … es gibt jetzt im Frühling so unfassbar viel zu entdecken 🙂

      Ganz liebe Grüße an dich!

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  2. Mir geht es genau so…ich hab auch mein Schneckenhaus….ich ziehe mich bei emotionaler Überforderung gerne in mich selbst zurück…dazu kommt noch eine emotionale Schutzmauer, diese verhindert das mich überfordernde Gefühle zu mir durchdringen…Es ist gut, wenn der eigene Körper den Geist schützen kann…
    ich liebe Sandstrand und Muscheln ….und Wasser…das hat etwas beruhigendes

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    1. Das mit der Schutzmauer finde ich interessant … das habe ich bis heute noch nicht hinbekommen. Ich bekomme meistens erstmal die volle Ladung ab … Meinst du mit Schutzmauer den Abstand zu den überfordernden Gefühlen?

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      1. Ja genau, mein Körper oder auch verstand lässt dann keine der negativen Gefühle an mein Herz..das dauert meistens ein paar Tage..manchmal auch Wochen .ich kann das gar nicht beeinflussen…und irgendwann bröckelt diese schutzmauer und ich kann mich dann damit zeitversetzt auseinander setzen.. ohne vorher daran zu zerbrechen. Das klingt komisch..hat mir aber schon oft geholfen mit extrem belastenden Situationen fertig zu werden 😇

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