Shoppingtour in Zeiten von Corona

Ich sitze in der Straßenbahn und fahre in die Innenstadt. Zum ersten Mal seit ungefähr 8 Wochen. Zum ersten Mal mit Mundschutz, was erstaunlicherweise recht gut geht. Vielleicht, weil ich in der letzten Zeit im Supermarkt oft genug die Gelegenheit hatte, das Mundschutztragen zu üben und mich davon zu überzeugen, dass ich damit nicht zwangsläufig eine Panikattacke bekomme. Ich steige an einer anderen Haltestelle aus als sonst (was einer baustellenbedingten Umleitung geschuldet ist). Es ist leer in der Innenstadt. Ich denke an meine kleine Café- und Shoppingtour, die ich sonst regelmäßig gemacht habe. Heute ist alles anders. Die Cafés haben noch geschlossen. In den Geschäften muss man sich am Eingang die Hände desinfizieren, sie werden desinfiziert oder der Korb, den man plötzlich in jedem Geschäft bekommt, wird desinfiziert. Ich hatte eigentlich mit langen Schlangen überall gerechnet. Dem ist zum Glück nicht so. Ich habe den Eindruck, dass die Verkäufer-/innen sich sehr über jeden einzelnen Kunden freuen. In einigen Läden ist nur eine Etage geöffnet. Ich sehe mich mit verschiedenen neuen Herausforderungen konfrontiert. Wie probiert man eigentlich Kleidung mit Mundschutz an ohne sich dabei zu verheddern und die Brille auf den Boden zu werfen? Gefreut hatte ich mich ja auch sehr darauf, wieder so richtig schön im Buchladen stöbern zu können. Letztendlich hatte ich dann aber doch nicht die Ruhe dazu. Beim nächsten Mal dann wieder. Als ich dann über den fast leeren Marktplatz gehe, scheint die Sonne und es ist ungewöhnlich still. Erst am Goerdelerring empfängt mich wieder der gewohnte Straßenlärm. Und als ich an der Straßenbahnhaltestelle in der Sonne sitze, dröhnt Reggae aus einem der Autos, die an der Ampel stehen. Und plötzlich ist da ein kleines bisschen Sommergefühl. Anders als sonst. Und doch ein bisschen so wie sonst im Sommer.

Früher hat mich so eine kleine Café- und Shoppingtour immer sehr entspannt und mir neue Energie gegeben. Heute war es wegen der ganzen neuen Maßnahmen erstmal stressiger als sonst. Trotzdem hat es mir sehr gut getan, endlich mal wieder rauszukommen, unter Menschen zu sein. Und nicht mehr nur mit der Arbeit zu Hause eingesperrt zu sein. Einmal mehr habe ich gemerkt, dass ich beides gleichermaßen brauche: die Natur, um zur Ruhe zu kommen und mich zu entspannen, aber eben auch die lebendige Großstadt als Anregung von außen.

Marktplatz in Leipzig – selten ist er so leer

2 Kommentare zu „Shoppingtour in Zeiten von Corona

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