Hinter dem Tor

Feiertag. Die Morgensonne scheint durchs Fenster. Bestes Wetter also für eine kleine Wanderung am Werbeliner See. Nahe am See gibt es keine Parkmöglichkeiten, also muss man ein ganzes Stück Weg zu Fuß dahin zurücklegen (was ich nicht schlimm finde). Ganze Pulks von Radfahrern überholen mich. Ich konzentriere mich auf Flores, die tapfer neben mir läuft und sich von all dem nicht aus der Ruhe bringen lässt – und auf die roten Tupfer am Straßenrand, die vereinzelt durch das Grün leuchten. Mohnblumen … ich liebe sie. An einer Kreuzung biegen die meisten Radfahrer rechts ab. Ich gehe hinunter zum See, nach links und durch ein großes schmiedeeisernes Tor.

Plötzlich bin ich ganz allein. Ich folge dem Weg, lausche den Vögeln und dem Wind und lasse beim Gehen die Natur ganz in Ruhe an mir vorüberziehen. Ein ganzes Stück rechts von mir glitzert der See in der Sonne. Ich laufe und laufe … und vertreibe Flores und mir ein bisschen die Zeit, indem ich ihren Ball werfe, den sie mir begeistert zurückbringt. Irgendwann ist es Zeit für eine kurze Pause auf der Wiese. Ich lasse mich von der Sonne bescheinen. Als ich weitergehe, der Asphaltweg ist inzwischen einem Schotterweg gewichen, entdecke ich eine Mohnblume, die sich ihren Weg durch die Steine gebahnt hat. Ein rotes Leuchten inmitten all dieses Graus. Wie wunderschön das aussieht!

Wenig später wird der Schotterweg zu einem Wiesenweg – und plötzlich wähne ich mich in einem Sommertraum. Wiesen mit blühenden Blumen, Grün so weit das Auge reicht, und außer dem Wind und dem Singen der Vögel ist nichts zu hören. So still habe ich die Welt schon lange nicht mehr erlebt. Der Weg führt hier am See entlang und über Schilf hinweg kann ich einen Blick auf die Inseln im See werfen, auf denen zahlreiche Vogelarten brüten, die besonders viel Ruhe brauchen. Ein Stück folge ich dem Weg noch, dann kehre ich um und mache mich auf den Rückweg. Als ich durch das Tor trete, stelle ich fest, dass sich in der Zwischenzeit einige Ausflügler am See versammelt haben. Laute Musik dröhnt zu mir herüber. Auf dem letzten Stück Weg bis zum Parkplatz sind nun noch mehr Radfahrer unterwegs. Ich konzentriere mich auf Flores. Und auf die Mohnblumen. Und denke an dieses Stück stiller Natur hinter dem Tor, was ich heute erlebt habe und was mir wie eine andere Welt erschien.

2 Kommentare zu „Hinter dem Tor

  1. So eine schöne Beschreibung, so feine Beobachtungen, so traumhafte Bilder. Ich freue mich sehr, dass Du diesen Tag haben konntest.

    Danke, dass Du ihn durch Deinen Post hier mit mir geteilt hast.

    Viele freundliche und liebe Grüße! 🙂🌻

    Gefällt 2 Personen

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