In den letzten Tagen …

… ging es mir nicht besonders gut. Ich habe mich hier wieder sehr unwohl gefühlt. Und wenn ich so wie die letzten beiden Wochen viel arbeite und daher die meiste Zeit zu Hause verbringe, ist das der Verbesserung der Stimmung nicht gerade zuträglich. Heute hatte ich ein wenig mehr Zeit und bin in die City gefahren. Und mit jedem Schritt weg von der Wohnung ging es mir besser. Endgültig zur Verbesserung meiner Stimmung trug dann der Xylophon-Spieler in der Fußgängerzone bei, den ich im Winter schon ein paar Mal gesehen hatte. Ich setzte mich auf eine Bank, hörte eine Weile zu und als er dann wieder „Despacito“ und „Havana“ spielte, war für den Moment alles gut. Es ist immer wieder unglaublich, wie Musik hilft. Und mir wurde einmal mehr klar: es ist nicht die Stadt. Es ist die Wohnung und die unmittelbaren Nachbarn, mit denen ich nicht klarkomme und weswegen ich mich so unwohl fühle. Für mich ist es sehr wichtig, eine Wohnung zu haben, in der ich mich wohlfühle, einen gemütlichen Rückzugsort, eine Oase der Ruhe. Hier habe ich das Gefühl, dass ich eigentlich am liebsten viel mehr Zeit außerhalb der Wohnung verbringen möchte als darin. Und das Gefühl, kein richtiges Zuhause mehr zu haben. Die Wohnung ist ziemlich dunkel. OK … damit könnte ich notfalls noch leben. Weniger leben kann ich mit kaum Privatsphäre in der Küche und auf der Terrasse und vor allem mit den sehr lauten und rücksichtslosen Nachbarn direkt neben mir, die fast jedes Wochenende und seit Corona auch während der Woche auf ihrer Terrasse neben meinem Schlafzimmerfenster bis in die Nacht hinein Parties feiern. Ich habe dadurch Schlafprobleme – und inzwischen auch des Öfteren Magenschmerzen.

Nun habe ich ja schon in vielen Wohnungen gewohnt und hatte da bisher auch eigentlich immer Glück mit der Nachbarschaft. Und in manchen Hausgemeinschaften war es sogar richtig nett … wie in der ersten Wohnung in Berlin-Pankow. Da wurde im Sommer ein Grillfest mit allen Hausbewohnern veranstaltet und an Nikolaus/Weihnachten hängte immer jemand den anderen Hausbewohnern eine kleine Aufmerksamkeit an die Wohnungstür. Und natürlich gab es immer mal den einen oder anderen Plausch im Hausflur. Es war einfach eine sehr angenehme und nette Atmosphäre. Die Hausgemeinschaft meiner letzten Wohnung in Wandlitz war ähnlich. Die Nachbarn waren freundlich, offen und hilfsbereit. Hier ist das nicht so. Ganz im Gegenteil. Und auch wenn das viele, denen ich das erzählt habe, nicht verstehen und sagen, ich soll das nicht alles so an mich heranlassen … ja, leicht gesagt, ich kann das nicht so von mir fernhalten und finde es schwierig, mit so einer unangenehmen Stimmung zu leben. Ganz besonders deshalb, weil ich ja weiß, wie es auch sein kann.

Ich hatte ja schon bald nach dem Einzug letztes Jahr begonnen, nach einer neuen Wohnung zu suchen. Bisher habe ich aber noch nichts passendes gefunden. Ich hatte ja immer mal mit dem Gedanken der Rückkehr nach Wandlitz gespielt … es gibt eine Möglichkeit. Letztendlich muss ich mich bis zum Ende dieses Monats entscheiden. Allerdings habe ich heute, als ich unterwegs war, gemerkt, dass ich mich hier in der Stadt schon ein wenig verwurzelt habe und dass es einige Dinge geben würde, die ich vermissen würde, wenn ich wieder zurückgehen würde. Und dass ich ja gerade erst angefangen hatte, die Stadt (wieder) zu entdecken (z. B. erst letztes Wochenende eine supertolle Eisdiele). Und so ganz happy bin ich mit dem Gedanken der Rückkehr irgendwie auch nicht mehr. Abgesehen davon, dass ich eigentlich gerne endlich ankommen und Ruhe in mein Leben bringen wollte. Nach dem letzten Jahr mit Umzug, Ankunft von Flores und den ersten schwierigen Monaten mit ihr und dann all dem, was Corona mit sich brachte, fühle ich mich ziemlich ausgelaugt und habe gerade wirklich das dringende Bedürfnis danach. Allerdings: da es leider ausgeschlossen ist, dass ich länger in dieser Wohnung bleibe, wird diese Ruhe wohl noch etwas auf sich warten lassen …

3 Kommentare zu „In den letzten Tagen …

  1. Hey Christiana, ich konnte wie immer beim Lesen deines Textes extrem mitfühlen. Das klingt ja wirklich blöd, was du von deiner Wohnsituation erzählst und ich persönlich finde nicht, dass du „das nicht so an dich ranlassen sollst“. Wie du schreibst, soll dein Zuhause ja DEIN Rückzugsort sein und nicht der Ort, wo es dir oft so schlecht geht. Leider lassen sich unhöfliche Nachbarn da auf Dauer auch nur schlecht ausblenden. 😦 Immerhin weißt du aber schon, dass das ein ganz großer Grund für dein Unwohlgefühl ist und nicht die Stadt an sich. Das ist ja schon Mal eine wichtige und irgendwie beruhigende Erkenntnis, oder? 🙂 Es freut mich jedenfalls sehr zu lesen, dass du ansonsten schon etwas mehr angekommen bist. Also unter diesen Umständen…jetzt muss nur eine neue Wohnung her! Ich bin mir sicher, dass dann vieles leichter für dich werden könnte. Und wer weiß was passieren würde, wenn du jetzt wieder zurück gehst..vielleicht fragst du dich dann immer, ob es die richtige Entscheidung war. Erzähl doch gerne Mal, wo und wie du gerne wohnen würdest. Ich höre mich gerne für dich um. Das kannst du mir sonst auch gerne privat schreiben. 🙂
    Ganz ganz liebe Grüße!!

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  2. „Lass das nicht so an Dich ran!“ ist so ziemlich der dämlichste Rat, den es gibt. Zumal für einen sehr sensiblen Menschen mit einer hohen Empfindsamkeit.

    Ich sehe es ganz wie Johanna, die vor mir kommentiert hat: Du brauchst eine andere Wohnung, ein Wohnumfeld, in dem Du Dich wohlfühlen kannst, mit entsprechenden Menschen. – So wie es jetzt ist, macht es krank. (Ich weiß wovon ich schreibe).

    Ansonsten scheinst Du mir durchaus angekommen zu sein in Leipzig.

    Liebe und herzliche Grüße an Dich, liebe Christiana! 🌻

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    1. Danke, lieber Sternflüsterer, ich weiß es sehr zu schätzen, dass du auf meine Probleme eingehst, obwohl es dir doch selbst gerade nicht gut geht. (Wenn ich wieder mehr Kapazitäten habe, schreibe ich dir noch mehr dazu.)

      Ich frage mich auch, warum manche Menschen, diesen Rat geben … natürlich ist es nicht schön, schon wieder umzuziehen und ich habe auch wirklich Angst vor dieser erneuten großen Veränderung. Aber es geht nicht anders. In den letzten Wochen hat sich das hier ziemlich hochgeschaukelt und ich kann das einfach nicht mehr aussitzen und so tun als ob nichts wäre. Ich habe jetzt schon körperliche Symptome und du hast recht, wenn du schreibst, dass das richtig krank machen kann. Du hast offenbar auch Erfahrung mit derartigen Problemen?

      Ja, ich fühle mich schon ein wenig angekommen hier. Und deshalb macht es mich auch wütend, dass ich wegen dieser einen lärmenden Nachbarsfamilie (mit den anderen 14 Parteien, die hier wohnen, habe ich keinerlei Probleme) wieder ausziehen muss.

      Ganz liebe Grüße an dich!

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