Entscheidungsschwierigkeiten

Ich habe nachgedacht und nachgedacht. Bis die Gedanken sich im Kreis drehten. Habe sie aufgeschrieben. Pro- und Contra-Listen erstellt. Gemeint, eine Lösung gefunden zu haben. Dann plötzlich ein Foto gesehen oder einen Gedanken gehabt, das/der mich doch wieder zweifeln ließ. Gedacht, dass es diese Lösung vielleicht doch nicht ist. Und das je nach sich ändernder Gefühlslage jeden Tag mehrmals. Es ist so eine Sache mit dem Entscheidungen treffen. Es fällt mir leicht, kleine, alltägliche Entscheidungen zu treffen. Da ist mein Bauchgefühl immer ziemlich eindeutig. Aber die großen, lebensverändernden Entscheidungen, die fallen mir extrem schwer. Weil die Entscheidung für etwas auch immer die Entscheidung gegen etwas ist. Ich habe Angst, die falsche Entscheidung zu treffen und damit nicht glücklich zu werden. So wie es mir bei der letzten großen Entscheidung ging. Und dummerweise weiß man oft ja auch nicht sofort, ob die Entscheidung richtig war. Das stellt sich meistens erst nach einiger Zeit heraus.

In der letzten Zeit habe ich immer wieder in den Büchern von John Strelecky gelesen. Und ein neues, tolles Buch zu dem Thema entdeckt: „Der Wald, vier Fragen, das Leben und ich“ von Tessa Randau. Die Quintessenz bei beiden Autoren ist, dass man nicht nach dem handeln soll, was der Kopf einem sagt, sondern nach seinem Bauchgefühl. Ja, das leuchtet mir ein. Nur was, wenn man manchmal gar kein Bauchgefühl hat, weil so vieles von außen auf einen einstürmt? Oder wenn man ein Bauchgefühl hat, aber Angst davor, dass man das alles nicht schafft? In jedem Fall habe ich gemerkt, dass mich permanentes Grübeln nicht weiterbringt. Und manchmal, wenn ich mir eine Auszeit vom Grübeln nehme, wenn mein Kopf mit komplett anderen Dingen beschäftigt ist, meldet sich auch ganz zaghaft mein Bauchgefühl wieder. Bis zum nächsten Zweifel. Vielleicht muss man sich tatsächlich für eine Sache entscheiden. Mit allen Konsequenzen. Und wenn es das dann doch nicht ist (das wird man merken), kann man nachjustieren. Perfekt wird es ohnehin nie.

5 Kommentare zu „Entscheidungsschwierigkeiten

  1. Ich kann Dir sehr gut nachfühlen, liebe Christiana. – Nach meinem Zusammenbruch im Frühjahr 2014 und der nachfolgenden 1 1/2 Jahre währenden Krankschreibung, habe ich sehr viele schwerwiegende Entscheidungen treffen müssen. Immer wieder, vor allem im beruflichen Bereich. Niemals wirklich freiwillig, sondern immer bdingt durch meine Gesundheit bzw. durch Rahmenbedingungen, die mir mein Leben wieder und wieder sehr schwer machten, für die ich aber nichts konnte.

    Ich habe bei all dem gefunden, dass mein Bauchgefühl ein ziemlich unzuverlässiger „Ratgeber“ ist. Dennoch kann ich nicht anders, als mich ausschließlich an ihm zu orientieren. Ich glaube als „innenmensch“ geht es gar nicht anders.

    Schwierig ist es, wenn man dann im Nachhineien schon wieder bald an seine Grenzen stößt. Das zu bemerken und sich dann eingestehen zu müssen, dass an sich wieder eine grundsätzlichere Entscheidung nötig wäre, ist nicht einfach. Jedesmal, so empfinde ich es für mich persönlich, wird es schwieriger, und jedesmal kostet es wieder etwas Kraft, die danach nicht wiederkommt.

    Auch jetzt bin ich arbeitsmäßig wieder ganz und gar am Limit. Ab Augustm, wenn hier alles wieder voll losgeht, werde ich faktisch keine freie Zeit mehr haben, über Monate. Dabei arbeite ich „nur“ Teilzeit. Aber das ist sehr trügerisch. Weil ich immens viel Zeit in die Vorbereitung meiner Arbeit investieren muss, die nicht als Arbeitszeit zählt. – Vor gut einem Jahr, als ich entscheiden musste, ob ich diese Arbeit mache, war mein Bauchgefühl 50:50 – von der Arbeit die ich hatte, wusste ich aber, dass das Projekt mutmaßlich nicht weitergeführt würde.

    Jetzt bleibt mir nur, alle Kraft zu investieren. Aber es ist unsagbar schwer. Eine andere Option habe ich aber nach Lage der Dinge nicht mehr … (das hat auch mit meinem Lebensalter zu tun)

    Ich weiß, dass sich das für Dich wahrscheinlich ein bisschen rätselhaft liest. Aber alle, eigentlich notwendig zu erklärenden Hintergründe hier aufzuschreiben, ist nicht möglich, es würde viel zu lang werden.

    Nach all dem, was ich hier nun geschreibselt habe, hoffe ich um so mehr, dass Du die für Dich anstehende Entscheidung letztlich zu Deiner Zufriedenheit treffen wirst – und, wenn, wie Du schreibst, Du überdies die Möglichkeit eines Nachjustierens siehst, dann ist das gut, weil es die Option, die Zufriedenheit noch zu verbessern, enthält.

    Ich würde Dir gern etwas von Deiner Angst nehmen, sehr gern! Weil ich weiß, wie das ist …

    Ganz viele, liebe Grüße an Dich! 🌻💚

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    1. Ganz lieben Dank, lieber Sternflüsterer, dass du verstehst, was ich mit meinem Geschreibsel meine. Du kannst mir meine Angst natürlich nicht nehmen, aber dein Verständnis hilft mir schon sehr.

      Mh … das klingt aber auch schwierig bei dir. Und wenn du schreibst, dass du die Entscheidungen niemals freiwillig getroffen hast … sowas finde ich tatsächlich am schwierigsten. Wenn man unter dem Druck steht, eine Entscheidung treffen zu müssen. Bei mir ist dann die Angst so präsent, dass mein Bauchgefühl fast gar nicht mehr spürbar ist. Du hast also die Entscheidungen nach dem Bauchgefühl getroffen? Und sie haben sich dann im Nachhinein als nicht so günstig herausgestellt? Meinst du mit grundsätzlichere Entscheidung z.B. einen Jobwechsel? Ich versuche so grundsätzliche Entscheidungen oft zu vermeiden und mithilfe kleinerer Entscheidungen irgendwie drumherum zu kommen … weil ich weiß, wie solch eine Veränderung das Leben durcheinanderwirbelt. Und dann eben nicht nur für Tage oder Wochen, sondern für Monate oder auch Jahre. Mit viel Angst, körperlichen Symptomen etc. Ich brauche meistens ca. 1 Jahr bis ich sowas einigermaßen verdaut habe. Das können „normale“ Menschen einfach nicht nachvollziehen. Aber natürlich klappt das große Entscheidungen vermeiden nicht immer.

      Es tut mir leid, dass du arbeitsmäßig wieder so am Limit bist. Und ich finde es sehr ungerecht, dass du Teilzeit arbeitest und trotzdem so viel mehr zu tun hast. Gibt es da keine Möglichkeiten, irgendetwas zu ändern? Damit du wieder mehr dringend nötige Zeit zum Erholen hast und für Dinge aus denen du wieder Kraft schöpfen kannst? Nicht, dass du wieder einen Zusammenbruch erleidest. Ich weiß diesbezüglich, wovon ich schreibe. Ich hatte 2015 einen Burnout und Anfang letzten Jahres ging es auch schon wieder sehr in diese Richtung. Ich habe dann die Notbremse gezogen. Ich glaube, wenn man einmal so stark erschöpft war (du warst ja auch länger krank geschrieben), bleibt man immer irgendwie gefährdet und muss sehr auf sich aufpassen.

      Ich habe die Entscheidung inzwischen getroffen … treffen müssen. Und ich weiß nicht, ob sie richtig war. In jedem Fall habe ich gegen mein Bauchgefühl gehandelt. Weil dieses „ich schaffe das nicht“ übermächtig war. Also wieder die vermeintlich sichere Variante gewählt. Es ging dabei um einen Umzug … ob ich hierbleibe oder zurück in die Berliner Ecke gehe, wo ich mich so zu Hause gefühlt habe, wie sonst vorher nirgendwo. Ich werde allerdings in der Leipziger Ecke bleiben (zumindest vorerst) – aber in eine andere Wohnung ziehen. Alle rationalen Überlegungen haben mich dahin geführt. Und jetzt ist da natürlich ganz viel Schmerz, weil ich das Berlin-Kapitel erstmal abschließen muss. Irgendwie hatte ich das ganze Jahr hier gehofft, dass ich wieder zurückkann. Vielleicht konnte ich deshalb auch nicht abschließen. Mit dem Nachjustieren ist es in diesem Fall vermutlich recht schwierig … da bliebe, wenn es auch in den nächsten 2 Jahren hier nicht klappt, nur der erneute Umzug. Und dann wäre mein ehemaliges Zuhause nicht mehr mein Zuhause, sondern einfach nur noch eine Stadt, die ich von früher kenne und ich der ich mich neu einleben müsste. So ging es mir in Leipzig. Ich habe vor 20 Jahren hier studiert … als ich letztes Jahr wieder hierher kam kannte ich zwar alles noch, aber es war nicht mehr mein Zuhause. Umzüge an sich sind nicht das Problem … aber das Einleben an einem neuen Ort und das Loslassen des alten Wohnortes.

      Ganz viele liebe Grüße zurück an dich und pass gut auf dich auf!

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      1. Du verstehst mich auch sehr gut. 🙂 Beeindruckend gut.

        So liegst Du mit Deiner Vermutung, dass mit den grundsätzlicheren Entscheidungen jeweils solche eines Jobwechsels gemeint waren, völlig richtig. – Ich hatte da freilich nach meiner langen Erkrankungsphase zunächst einmal auch richtig viel Pech. – Das Dumme ist, dass das hier zuviel würde, um es aufzuschreiben.

        Unter anderem musste ich mich aber, nachdem ich mich zunächst inhaltlich, konzeptionell, ausstattungsmäßig und auch, was erste Kontakte anging, in ein völlig neues Projekt hineingearbeitet hatte (unter meine alte 23 Jahre lang währende Tätigkeit – im Bereich Flüchtlings- und Migrationsberatung mit ganz vielen Funktionen und begleitet von einem zweiten, berufsbegleitenden FH-Studium als Sozialpädagoge – habe ich einen aus verschiedenen Gründen sehr schwierigen Schlussstrich ziehen müssen), dann ganz abrupt davon verabschieden, weil eine übergeordnete Stelle die Fruist für das Einreichen einer Projektförderung versäumt hatte. – Ich durfte mich dann „entscheiden“, noch während des Hamburger Modells (also ich war noch nicht einmal gesund geschrieben) in eine Schulwerkstatt zu gehen. –

        Dort bekam ich es mit sehr verhaltensauffälligen, schulaversiven, teils auch aggressiven und vorbestraften Jugendlichen (also richtig hartes Kaliber) zu tun. – es gäbe auch dazu ganz viel zu erzählen, unter anderem, dass ich nach drei Monaten plötzlich ganz allein in dem Projekt stand. – Ich habe das ein knappes Jahr, teils unter schlimmsten Anstrenungen und Symptomen leidend, durchgehalten, dann aber „entschieden“ da unbedingt wieder raus zu müssen.

        Auch danach lief es keineswegs glatt weiter. Ich hatte dann einen geteilten Job mit zwei halben Stellen, die sich aber gar nicht in Übereinstimmung b ringen ließen, bin dann „freiwillig“ auf 20 Stunden runter, in dem ich einen der beiden Jobs nach wiederum einem Jahr wieder abgegeben habe. – Ich hätte in dem verbliebenen gern etwas mehr gearbeitet, aber das ging angeblich nicht. Statt dessen wurde dann vor gut einem Jahr offeriert, dass das Projekt (ein äußerst anerkanntes im Bereich Potenzialassessment und sozialpädagogische Begleitung für Jugendliche der 8. bis 10. Klassen) nicht weiter finanziert würde.

        Ich musste also wieder wechseln, habe mich dann „entschieden“ an einer Freien Schule als Lehrer zu arbeiten. Teilzeit (eine 2/3-Stelle) vor allem im Bereich der Orientierungsstufe (5. und 6. Klasse, dazu ein bisschen Grundschule). mein erstes Studium (noch in der DDR) hatte einen großen pädagogischen Anteil, allerdings für die Erwachsenenpädagogig – ich habe unter anderem eine richtige Lehrprobe bei Journalistikstudenten absolviert und nach meinem Studium dann kurz auch noch selbst Studenten unterrichtet.

        Weil nun alles komplett neu ist, habe ich einen immensen Aufwand, vor allem mit der Vorbereitung der Stunden – das ist es, was mich weit über die eigentliche Arbeitszeit hinaus fordert und überfordert.

        Abgesehen davon ist die Bezahlung wirklich sehr, sehr schlecht. Das Vollzeitbruttogehalt meiner Stelle liegt um mehr als 500,- Euro unter dem Einstiegsgehalt (!) eines Grundschullehrers in unserem Bundesland (Ostdeutschland). Die jetzt für die Grundschullehrer avisierte Erhöhung um ca. 500 Euro zum neuen Schuljahr werde ich mutmaßlich auch nicht erhalten, weil mein Arbeitgeber nicht tarifgebunden ist. Dabei bin ich nunmehr bereits seit 29 (!) Jahren bei dieser Firma.

        Eine wirkliche Alternative sehe ich dennoch nicht. An eine andere, „normale“ Schule zu gehen, traue ich mir nicht (mehr) zu. Unsere ist da schon im guten Sinne besonders. Sehr kleine Klassen (höchstens 16 Schüler) und grundsätzlich ausgesprochen freundliche, gut sozialisierte Kinder.

        Dennoch ist es für mich sehr fordernd. Ich bin von Hause aus ein sehr genauer, selbstkritischer Mensch. Für die Viorbereitungen betreibe ich einen großen Aufwand – ich KANN es nicht anders, obwohl ich mich bemühe.

        Wenn es am 3. August hier wieder los geht, weiß ich, dass ich kein freies Wochenende mehr haben werde und die Arbeitstage grundsätzlich nicht vor 21.00 Uhr zu Ende sind.

        Leider ist das KollegInnenteam an der Schule auch kein ganz einfaches und wir haben eine sehr, sehr dünne Personbaldecke, so dass man jetzt schon mit zusätzlichen Vertretungsstunden rechnen kann und muss.

        Was kann ich noch tun? Wo soll ich noch hin. Zurück in die Sozialarbeit? An eine andere Schule? Beides ist völlig unrealistisch. Also wohl durchhalten …

        Nun habe ich Dir hier doch einen ganz schönen „Textteppich“ hinterlassen und doch längst nicht alles ausführen und vor allem erklären können. Ich wollte und will Dich damit keineswegs belasten, leibe Christiana, aber Du hast so interessiert gefragt. Und ich wollte denn auch nicht unhöflich sein, und Deine Fragen einfach so stehen lassen.

        Es ist sehr lieb, dass Du mir so viel Interesse schenkst, Und es ist sehr lieb, dass und wie Du nachfragst. Und es tut gut, dass Du mich so gut verstehst.

        Dankeschön für das alles und ganz liebe Grüße an Dich! 💚🌻

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  2. Die Angst vor falschen Entscheidungen kann Dir keiner abnehmen…aber evtl. kannst Du Deine Sichtweise auf Entscheidungen anpassen: es gibt keine falschen Entscheidungen! Wenn Du eine Entscheidung triffst ..dann ist es JETZT die richtige Entscheidung für Dich…dann sieh nach vorn und handle entsprechend mit aller Energie und allen Konsequenzen. ..sollte sich später herausstellen das diese Entscheidung nicht optimal für dich war..kannst du neue Entscheidungen treffen die für das neue Jetzt dann richtig sind….und so nach justieren… keine Angst vor Entscheidungen…das meiste in Leben kann man korrigieren 👣 und selten sind Entscheidung im Leben ist für die Ewigkeit…das Leben ist ständige Veränderung. Ich wünsche Dir einen schönen Abend

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    1. Danke für deinen mutmachenden Kommentar. Ich finde für mich schon, dass es falsche Entscheidungen gibt. Die Umzugsentscheidung letztes Jahr habe ich nach langem Überlegen und mit Bauchschmerzen getroffen und es hat sich tatsächlich als falsch herausgestellt, diesen Ort und diese Wohnung hinter mir zu lassen und hierherzuziehen. Ich habe grundsätzlich bei Veränderungen nur wenig Energie, die ich für das Neue einsetzen kann, weil ich erstmal mit dem Verlust und dem damit einhergehenden Schmerz klarkommen muss. Wenn ich das geschafft habe, dann kann ich auch nach vorne sehen und dann kommt auch die Energie langsam wieder. Aber das ist alles ein Prozess und kann dauern. Ich kenne Menschen, die gut mit solchen Veränderungen zurechtkommen. Ich bin halt jemand, der da länger braucht. Ich handle da ganz nach meinem Gefühl.
      Was die jetzige Entscheidung betraf, da ging es um Hierblieben und neue Wohnung oder Rückumzug an den Ort, an dem ich zuletzt gelebt habe und an dem ich mich sehr wohl gefühlt habe. In diesem Fall ist es mit dem Nachjustieren etwas schwierig … da bliebe nur ein erneuter Umzug zurück in einigen Jahren, wenn ich wieder genug Kraft gesammelt habe.

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