Ein versöhnliches Ende

Die Wohnung leert sich. Alles wandert in Kisten, die wiederum darauf warten, nächste Woche abtransportiert zu werden. Die Zeit hier in dieser Wohnung und damit auch die Zeit in Leipzig neigt sich dem Ende zu. Und ich blicke mit gemischten Gefühlen zurück. Das Jahr hier war in vielerlei Hinsicht turbulent und sehr, sehr herausfordernd. Ich habe mich zwar in der Wohnung mit der Zeit irgendwie eingelebt (das passiert einfach zwangsläufig) – aber nie zu Hause gefühlt. Das war wohl nach der Zeit in meiner geliebten Wohnung in Wandlitz auch zuviel verlangt. Ich musste erstmal den Abschiedsschmerz verarbeiten … und das dauert bekanntlich in so einem Fall bei mir. Und dann kam ja nach 2 Monaten auch schon Flores an – und ich hatte mir so gar keine Vorstellung gemacht, wie sehr das mein Leben auf den Kopf stellen würde. Im März dann Corona und die damit verbundenen Veränderungen. Ich war also im Wesentlichen die meiste Zeit hier damit beschäftigt, mein Leben irgendwie zu managen. Ich hatte ständig das Gefühl, dass ich viel Energie für all die Baustellen verbrauche – aber kaum noch etwas habe, was mir Energie gibt. Klar, dass da die Rückkehr der Angst und Panikattacken nicht lange auf sich warten ließ – und zwar leider so massiv wie schon sehr Jahren nicht mehr. Ein Zeichen, dass ich dringend auf die Bremse treten musste. Bei all dem hatte ich kaum Energie für das Kennenlernen meiner neuen Umgebung und neuer Menschen übrig.

In den letzten Wochen hat sich das ein wenig geändert. Ich habe begonnen, mich wieder mehr dem Leben um mich herum und auch neuen Menschen gegenüber zu öffnen. Und interessanterweise habe ich gerade in den letzten Wochen einige nette Menschen kennengelernt (wodurch ich es natürlich jetzt ein wenig bedauere, hier aus der Gegend wegzuziehen). Es hat sich herausgestellt, dass es hier im Haus doch sehr nette Nachbarn gibt … die mich über den hier herrschenden Kleinkrieg von zwei Gruppen aufklärten (das erklärte offensichtlich die eisige Stimmung, seeeeeeehr unangenehm und für mich neben der Beschaffenheit der Wohnung ein Grund für den Auszug). Und ich habe so einige sympathische Hundebesitzer(innen) kennengelernt. Das hat mir richtig gut getan. Hatte ich mich in dem Jahr hier doch sehr oft ziemlich einsam gefühlt. Der Kontakt zu diesen Menschen wird mir sicher ein wenig fehlen. Genauso wie der tolle Eisladen in Lindenau. Und wie die Umgebung hier. Der Auwald zum Beispiel, in dem ich täglich mit Flores unterwegs war und der mir immer ein beruhigendes Gefühl vermittelt hat, wenn mir der Stadttrubel mal wieder zuviel war. In jedem Fall ist mir einmal mehr klar geworden, dass ich nicht dauerhaft in einer Großstadt leben kann/möchte. Gerade jetzt im Sommer habe ich wieder gemerkt, wie sehr ich es brauche, in der Natur zu sein. Auch mal Stille um mich herum zu haben, abseits von Menschen, Autos und Lärm, um mich wieder selbst zu hören und innerlich ruhig zu werden.

Nächste Woche heißt es also „Machs gut, Leipzig“ … Dabei bleiben mir die Stadt und alles, was ich in dem Jahr hier schätzen gelernt habe, gewissermaßen erhalten (es hilft schonmal, wenn zumindest ein paar vertraute Dinge bleiben). Die neue Wohnung liegt am Rand der Nachbarstadt Halle, von da aus kann man Leipzig ganz gut erreichen. Ich habe ja sehr, sehr lange nachgedacht und abgewägt, ob ich wieder ins Berliner Umland zurückgehen soll, es war ein langer Kampf zwischen Bauchgefühl und Vernunft. Ich habe mich schweren Herzens dann für die Vernunft entschieden. Keine Ahnung, ob das richtig war. Momentan sprechen jedoch leider ziemlich viele Dinge dagegegen zurückzugehen, z. B. würde es für mich mit Flores dort sehr schwierig werden … Und hier gibt es für mich gerade mehr Möglichkeiten, als ich in Wandlitz hatte und haben würde. In Halle habe ich die Möglichkeit, wieder mehr meinen Hobbies nachzugehen, hoffentlich bald, wenn es wieder möglich ist, Tanzkurse zu besuchen und wieder in einem Chor zu singen. Und somit auch wieder Energiequellen zu haben. Gerade das Singen habe ich in den letzten Jahren sehr vermisst (und den tollen Gospel-Chor in Greifswald und die allertollsten Workshops mit Adrienne). Trotzdem behalte ich Berlin und sein Umland weiterhin im Hinterkopf. Die Zeit dort war einfach sehr besonders für mich und hat mich geprägt … und ich habe dort etwas gefunden, was ich nicht gesucht habe und bin meinen eigenen Wünschen und Bedürfnissen mehr auf die Spur gekommen als jemals zuvor. Ich nehme mir vor, so oft es geht hinzufahren und auch länger Zeit dort zu verbringen. Und wer weiß, vielleicht gehe ich in ein paar Jahren wirklich wieder zurück.

Jetzt bin ich allerdings erstmal gespannt, wie die neue Wohnung ist. Kein Erdgeschoss und superhell … das sind schonmal die besten Voraussetzungen. Wenn die Nachbarn dann auch noch erträglich sind und es ruhig ist, ist das für mich schon der Jackpot. In jedem Fall freue ich mich schon darauf, die Wohnung einzurichten und habe ziemlich viele Ideen. Und auf Halle als Stadt bin ich auch sehr gespannt. Es gibt ein paar vielversprechende Cafes, die sich hinter denen in Leipzig auf gar keinen Fall verstecken müssen. Die werden irgendwann alle getestet. Erstmal gehts aber ans Einrichten und Einleben. Und: in den Urlaub. Mitte September auf meine geliebte Insel Usedom.

Machs gut, Leipzig-Leutsch …
Das Schreiben und Lesen in meinem Stammcafé bei einem (iced) Chai Latte werde ich trotzdem beibehalten
Und auch den Schladitzer See werde ich weiterhin besuchen
… ebenso wie die Innenstadt von Leipzig

2 Kommentare zu „Ein versöhnliches Ende

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