Erste Male

Seit 5 Tagen bin ich jetzt in der neuen Wohnung. Sie ist gefällt mir sehr gut, viel besser als die letzte Wohnung und hat definitiv Potenzial. Und ich weiß, dass die Entscheidung, aus der Wohnung, in der ich mich so unwohl gefühlt habe, auszuziehen, komplett richtig war. Aber: ich merke einmal mehr, dass ich das Durchleben dieser Veränderung sehr schwierig und anstrengend finde. Als ich neulich nochmal in der alten Wohnung war, habe ich mich tatsächlich gefragt, ob ich das alles nicht hätte bleiben lassen und dort wohnen bleiben sollen. Einfach, weil mir dort inzwischen alles vertraut war, weil ich das Viertel inzwischen kannte wie meine Westentasche. Weil einige der Nachbarn ja auch nett waren. Einfach das Vertraute behalten, auch wenn man nicht wirklich glücklich damit ist. Weil große Veränderungen für mich immer erstmal bedeuten, dass ich durch ein Tal gehen muss, bevor es besser werden kann. Und ich deshalb davor eher zurückschrecke, weil ich die mit einer solchen Veränderung verbundenen Gefühle so ungern aushalte. In diesem Fall gab es aber keine Alternative. Mir ging es dort nicht gut, seelisch nicht und körperlich auch nicht mehr.

Und jetzt, nach dem Umzug, fühle ich mich, als ob ich in der Luft hänge. Ich funktioniere irgendwie. Und taste mich langsam an die neuen Dinge heran. Es sind viele. Neue Hunderunden. Andere Hundebesitzer, die ich nicht kenne (in Leipzig war es in den letzten Monaten so, dass ich eigentlich bei jeder Gassirunde im Viertel jemanden Bekanntes getroffen habe, hier wird man beäugt, weil man fremd ist … ist halt wie aufm Dorf hier). Das erste Mal einkaufen im neuen Supermarkt. In einer Stadt unterwegs sein, die ich kein bisschen kenne. Nichts Vertrautes mehr. Gerade ist da kein Anker. Manchmal wird mir dieses Gefühl von all dem Unvertrauten zuviel und ich weine. Ich kenne all das nur zu gut von den vorherigen Umzügen. Es gibt Menschen (die übrigens in ihrem Leben bisher nur einmal umgezogen sind), die zu mir gesagt haben: „Du bist das alles doch schon gewöhnt durch deine vielen Umzüge“. Ja und nein … ich bin es gewöhnt, mir immer wieder ein neues Leben aufbauen zu müssen. Das waren allein in den letzten 14 Jahren 7 Mal (dabei waren 2 davon aber nur „kleine“ Umzüge, bei denen ich das Umfeld behalten habe, was schonmal sehr viel geholfen hat). Da entwickelt man schon eine gewisse Routine. Das heißt aber nicht, dass ich gefühlsmäßig gut damit zurechtkomme, mein bisheriges Zuhause loszulassen und in einer erstmal fremden Wohnung in einer fremden Stadt neu anzufangen. Es gibt ja Menschen, die finden all das Neue, was so ein Umzug mit sich bringt, toll und aufregend. Ich gehöre definitiv nicht dazu. Ich mag es zwar auch, Neues zu entdecken, aber nur mit meiner sicheren Basis, also meinem sicheren Zuhause im Background. Und ich weiß, dass es vielen Menschen in meinem Umfeld ähnlich geht. Eine meiner Nachbarinnen in Leipzig hat mir kürzlich erzählt, dass sie Umzüge ganz schrecklich findet und bei ihrem letzten Umzug vor 2 Jahren von einem Stadtteil in den anderen „Rotz und Wasser geheult hat“. Das konnte ich nur zu gut nachvollziehen.

Ich weiß, dass es besser wird. Dass ich mich einleben werde. Es braucht halt einfach Zeit. Viel Zeit. Irgendwann sind es nicht mehr so viele erste Male. Irgendwann kenne ich die Hunderunden, die Hundebesitzer, denen ich regelmäßig begegne, den Supermarkt und die Stadt. Irgendwann wird aus dem Fremdheits- und Unsicherheitsgefühl ein Zuhausegefühl. Bis dahin lebe ich mit diesen unangenehmen Gefühlen und versuche, sie auszuhalten. Und jetzt in dieser anstrengengenden Zeit besonders gut auf mich zu achten. Viel zu schlafen, mir Pausen zu gönnen, gesund zu essen, die Wohnung schön gemütlich einzurichten, nicht zu streng mit mir zu sein (die Arbeit an mir und mit Flores hat jetzt erstmal Pause), mir kleine schöne Dinge zu gönnen, Kontakt zu lieben Menschen zu halten … und zu weinen, wenn mir alles gerade zuviel ist.

Meine neue Morgen-Hunderunde mag ich definitiv jetzt schon sehr
Mit diesem T-Shirt mache ich mir gerade selbst Mut – und irgendwie hilft es

4 Kommentare zu „Erste Male

  1. Christiana, Dein Text rührt mich sehr an. Ich traue mich, Dir als Antwort, als Kommentar darauf, eine Umarmung zu schenken, ganz von Herzen, freundschaftlich, eine, die Dich nicht erdrücken aber ein bisschen festhalten möchte.

    Das Bild von deiner neuen „Hunderunde“, ist sehr schön, wie eine freundliche Einladung …

    Ganz liebe Grüße an Dich! 🌻🍀

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  2. Du kennst Dich und weißt das es besser werden wird….Du machst gerade alles richtig , und wenn Dir zum Weinen ist, dann weine ruhig…Weinen entspannt die Seele….und bald wird alles vertrauter sein und Du wirst merken, das auch ein paar Deiner neuen Nachbarn nett sein werden….
    ich wünsche Dir viel Kraft und das Du Dich bald ganz wohl dort fühlst. 🎈

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