Ein stiller Novembertag

Heute ist es draußen grau und trüb. Ein typischer Novembertag eben. Heute Morgen bin ich mit Flores durch den Nebel gelaufen. Und an einer Stelle am Rande des Parks war es einen Moment lang richtig still. Ich bin stehengeblieben und habe der Stille gelauscht. Und mir ist einmal mehr aufgefallen, wie laut es sonst immer um mich herum ist. Zum letzten Mal habe ich wirkliche Stille in meiner Wohnung in Wandlitz erlebt. Ich habe es geliebt, abends auf dem Sofa zu liegen und nichts zu hören. Naja, vielleicht den Wind oder einen Vogel im angrenzenden Wald. Ansonsten war da eine richtig tiefgehende Stille. Ich habe dort gemerkt, wie gut mir die Stille tut, wieviel Kraft sie mir gibt und dass ich mich selbst viel besser wahrnehmen kann, wenn es still ist. Ist es um mich herum laut und trubelig, fühle ich mich nach kurzer Zeit überfordert von all den Reizen. Ich bin hochsensibel – und mein Gehirn kann Reize nur schlecht filtern. Deshalb fühle ich mich, wenn ich permanent Hintergrundlärm von einer Straße wahrnehme, nach einiger Zeit kopfmäßig richtig erschöpft. Deshalb tun mir laute Geräusche körperlich weh. Und deshalb brauche ich oft Pausen von der Welt. Wenn dann ein grauer Novembertag so eine Pause ist, dann bin ich umso dankbarer dafür. Ich weiß, dass viele Menschen den November bzw. neblige Novembertage nicht mögen. Und sicher freue ich mich nach einigen grauen Tagen auch wieder darüber, wenn die Sonne scheint. Heute allerdings bin ich happy darüber, dass es hier so ruhig ist wie seit längerem nicht. Im Hinblick auf die Geräuschentwicklung hat sich nämlich die neue Wohnung nicht als Verbesserung herausgestellt. Es ist mehr Straßenlärm zu hören als ich dachte, ca. einen Kilometer entfernt befindet sich eine Motocross-Strecke (yeah!) und dieser Ortsteil liegt netterweise auch noch in der Einflugschneise vom Flughafen, an dem die Frachtflugzeuge am frühen Morgen im Minutentakt starten. Dazu kommen bei schönem Wetter fast jeden Tag irgendwelche lärmenden Gartengeräte von Rentnern, die hier im Umkreis wohnen. Und weil es ja inzwischen bis in den Herbst hinein sonnig und warm ist, hört für mein Empfinden der „Trubel“ draußen gar nicht mehr auf. Ich mag den Sommer, keine Frage – aber ich mag eben auch die Ruhe von Tagen mit schlechtem Wetter oder der dunklen Jahreszeiten. Um einfach mal Luft zu holen, zu verarbeiten und Kraft zu tanken. Die Natur macht das schließlich auch (das Krafttanken, meine ich), wie man anhand der Bäume momentan gut sehen kann. Deshalb hat mir die Stille heute wahnsinnig gut getan – ich wünsche mir mehr von diesen ruhigen Tagen.

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