Lieder, die Geschichten erzählen

Es war Ende der 90er Jahre. Berufliche Gründe hatten mich in die Nähe von Köln verschlagen. Und obwohl ich nur ein gutes Jahr dort war, wirkt dieses Jahr bis heute nach. Ich hatte mich auf Anhieb verliebt. In die kölsche Lebensart, in den Dialekt, in die Lebensfreude, in den Karneval und vor allem: in die kölsche Musik. Fortan verfolgte ich zum kompletten Unverständnis von Familie und Freunden den Karneval mit großer Begeisterung entweder im Fernsehen oder war, wenn es möglich war, vor Ort. Und auch sonst war/bin ich immer wieder mal sehr gerne im Rheinland, weil eine meiner Schwestern dort lebt. Obwohl ich bis auf dieses eine Jahr dort nie wieder gelebt habe, fühlte es sich für mich immer wie Nachhausekommen an.

Aber zurück zur Musik. Mein erstes Konzert nach Beginn meiner Angsterkrankung, die es mir jahrelang nicht erlaubte, Konzerte zu besuchen, war ein Konzert der Höhner. Es folgten im Laufe der Jahre viele weitere Konzerte von kölschen Bands, z. B. Brings, den Räubern, den Paveiern etc. Eine kölsche Band hat es mir aber bis heute besonders angetan: die Bläck Fööss. Die Bläck Fööss haben große Erfolge im Karneval gefeiert bzw. sind da auch heute noch eine feste Größe, aber sie haben grundsätzlich ein sehr breitgefächertes Repertoire aus verschiedenen Musikrichtungen. Besonders liebe ich an ihren Liedern, dass sie auf eine sehr berührende Art die verschiedensten Geschichten aus dem Leben erzählen. 9 Jahre lang war an Silvester die Lanxess-Arena unser zweites Wohnzimmer – beim Silvesterkonzert der Fööss. Ich konnte mir keine andere Art mehr vorstellen, Silvester zu verbringen. Bei keinem anderen Konzert habe ich so eine unbeschreibliche Stimmung erlebt. Eine Stimmung, die man schon beim Betreten der Arena spürte. Und wenn die Bläck Fööss die Bühne betraten und den ersten Song spielten, gab es kein Halten mehr. Alle standen und schunkelten und sangen und tanzten mit. Setzten sich bei ruhigeren und nachdenklicheren Liedern wieder und hörten einfach zu. Und am Ende kochte die Stimmung. Das Publikum kannte jede Zeile und wenn die ganze Arena „En unserem Veedel“ sang, dann war das so unbeschreiblich und Gänsehaut pur. Überhaupt … bei keinem anderen Konzert habe ich so ein tolles Publikum erlebt. Es war immer wie eine große Familie. Man wurde einfach aufgenommen und einbezogen. Wildfremde Sitznachbarn boten uns Käsestangen an und wünschten uns nach dem Jahreswechsel ein frohes neues Jahr. Es war, wie die Bläck Fööss in ihrem Song „Mer han e Hätz für Kölle“ singen … es ist nicht wichtig, wo man herkommt, sondern dass man ein Herz für Köln hat. Jedes Mal verließen wir nach ca. 5 Stunden ausgiebigem Singen und Tanzen müde, aber ausgesprochen glücklich die Lanxess-Arena. Mein Leben war in den letzten 14 Jahren nie konstant. Viele Umzüge … immer wieder musste ich an einem neuen Ort ganz von vorne anfangen. Eine der wenigen Konstanten war für mich in diesen schwierigen Situationen die Musik der Fööss, die ich immer mitgenommen habe. Sie hat mir auch an einem neuen Ort ein Gefühl der Vertrautheit gegeben und mich getröstet, wenn ich mich alleine gefühlt habe. Und wenn ich auch wieder an einem neuen Ort angekommen war und mich fremd gefühlt habe, an Silvester ging es von fast jedem dieser Orte nach Köln in die Lanxess-Arena. Und dort hatte ich es wieder: mein kleines Stück Heimat. Die Musik der Fööss hat mir so viele schöne Erinnerungen geschenkt. Sie hat für mich einfach eine ganz besondere Bedeutung.

Vorgestern habe ich im WDR „Köln singt Zohus“ gesehen. Und natürlich traten auch die Bläck Fööss auf. Mir wurde einmal mehr äußerst schmerzlich bewusst, wie sehr ich gerade Live-Konzerte und insbesondere die der Black Fööss vermisse. Diese Konzerte haben mir immer unfassbar viel Kraft und Energie gegeben. Das für dieses Jahr geplante Silvesterkonzert wurde, ausgerechnet im Jubiläumsjahr zum 50. in diesem Jahr (herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle!) natürlich abgesagt. Es bleibt die Hoffnung, dass nächstes Jahr alles besser wird. Dass es wieder Live-Konzerte geben wird. Und ein Silvesterkonzert. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ich beim nächsten und langersehnten Konzert der Bläck Fööss das ganze Konzert lang weinen werde. Und lachen. Alles gleichzeitig vermutlich. Ich weiß jetzt schon, dass das für mich ein Feuerwerk der Emotionen wird. Ich werde tanzen. Und aus vollem Hals und Herzen singen. So wie in den vergangenen Konzerten. 5 Stunden lang. Und am nächsten Morgen müde sein und keine Stimme mehr haben. Aber verdammt, verdammt glücklich sein.

Jubiläumssong
Von mir aufgenommen … bitte meinen schrägen Gesang ignorieren 😉

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