Lockdown Diaries, Teil 2: Leipzig

Ab und an muss ich einfach hier raus. Etwas anderes sehen als die Wohnung, eine menschenleere Straße, Felder und Bäume. Ich brauche Großstadtluft und die Umgebung, die mir seit über 20 Jahren vertraut ist. Am Samstag vor einer Woche habe ich mir dann also den Kuchen für meine Schwester, die Geburtstag hatte, geschnappt und ab gings nach Leipzig. Meine Schwester wohnt an einer sehr belebten Straße im Leipziger Osten. Und genau da haben wir mit Flores und Moritz, dem 7-jährigen und komplett in sich ruhenden Hund der Freundin meiner Schwester, der aus Griechenland kommt, eine Runde gedreht – bis zum Lene-Voigt-Park, durch diesen hindurch und wieder zurück. Und ich war ziemlich perplex: Flores bewegte sich durch diesen Trubel, als ob sie nie etwas anderes getan hätte. Autos, Menschen, rennende und schreiende Kinder, Skateboard-Fahrer, unzählige Hunde – alles kein Problem. Vielleicht hat sie sich an ihr erstes Jahr in Leipzig erinnert (wobei es in in meiner Ecke nicht so trubelig war), vielleicht lag es an Moritz, der sich tiefenentspannt und völlig unbeeindruckt durch den Trubel bewegte. Ich weiß es nicht. Ich fühlte mich im Gegensatz zu ihr doch einigermaßen erschlagen von dem Ganzen. Trotzdem habe ich mich gefreut, dass wir diesen kleinen Ausflug machen konnten, ich meine Schwester mal wieder sehen konnte und wir ein paar nette Stunden hatten. Wenn die Zahlen wieder niedriger und das Wetter mehr zum länger draußen verweilen geeignet ist, gibts auf jeden Fall eine Wiederholung.

Thomaskirche

In Leipzig gilt zur Zeit übrigens eine Ausgangsbeschränkung, wie schon im 1. Lockdown – man darf nur mit triftigem Grund die Wohnung verlassen und sich draußen auch nicht hinsetzen (ich habe mich schon damals gefragt, ob das sinnvoll ist). Im Leipziger Osten hatte ich allerdings das Gefühl, dass sich nicht unbedingt viele Leute daran halten. Es war wie schon geschrieben, trubelig auf den Straßen und im Lene-Voigt-Park saßen recht viele Menschen am Rand oder auf den Bänken und tranken Kaffee aus To-go-Bechern. Also schon irgendwie so wie immer.

Ungewohntes Bild: gähnende Leere in der Petersstraße

Gestern war ich dann in der Leipziger Innenstadt. Da sah es tatsächlich ganz anders aus. Auf dem Marktplatz gähnende Leere, in der Grimmaischen Straße und in der Petersstraße, wo sonst jede Menge los ist, ebenso. Ich machte einen Abstecher in mein Lieblings-Café, um mir ein bisschen Kuchen zu kaufen. Die zusammen- und hochgestellten Stühle sorgten bei mir für ein wehmütiges und schmerzliches Gefühl. Wie ich es vermisse, dort zu sitzen. Unglaublich, dass das letzte Mal schon 6 Monate her ist. Ich redete kurz mit der Mitarbeiterin, die mich bediente und wir waren uns einig, dass es sehr, sehr schön wäre, wenn wieder Gäste im Café sitzen könnten.

An der S-Bahn-Station am Marktplatz

Ich habe dann noch eine Weile in meinem Lieblingsbuchladen gestöbert. Auch dort war kaum etwas los. Auf den Besuch anderer Geschäfte habe ich verzichtet, weil man dafür einen negativen Coronatest brauchte. Mit Termin ok, das habe ich vor ein paar Wochen gemacht und das ging auch problemlos. Aber mich in die lange Schlange vor dem Testzentrum einreihen und da ewig herumstehen, um dann zum Shopping-Termin zu hetzen? Nee, darauf hatte ich keine Lust. Und angesichts der Leere überall, die ich zuletzt so im Lockdown letztes Frühjahr gesehen hatte, dachten offenbar viele andere auch so. Vor Primark versuchte eine Mitarbeiterin verzweifelt, vorbeigehende Menschen von einem Besuch im Testzentrum und dann bei Primark zu überzeugen. Wie es aussah, nicht sehr erfolgreich. Ich holte mir noch schnell eine Bowl bei Dean&David, stattete dem Denn’s im Untergeschoss der Höfe am Brühl einen Besuch ab und dann gings auch schon wieder zurück.

Ein ebenso leerer Marktplatz

Und auch wenn ich gar nicht viel gemacht habe – mir hilft es einfach immer wieder enorm, rauszukommen, etwas anderes zu sehen, das Großstadtleben um mich zu haben, Eindrücke zu sammeln. Mittendrin zu sein. Kreisende Gedanken abzuschalten. Nach Hause habe ich dann neben ein paar kleinen gekauften Dingen auch gute Laune, neue Energie und Motivation mitgebracht, ein paar Dinge anzupacken. Was so ein Tag „draußen“ alles bewirken kann …

2 Kommentare zu „Lockdown Diaries, Teil 2: Leipzig

  1. Du sagst es: einfach mal wieder „mitten drin sein“….jawohl…..toll das Du immer mal wieder in die Stadt flüchtest…warum soll man immer nur das Eine haben wollen…ich mache das auch gerne so: mal das ruhige Land, mal die große Stadt….schön wenn man die Wahl hat…. Geniesse alles, so wie Du es brauchst…und pass auf Dich auf 🌷

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