Sommerlärm

Die Sonne scheint auf den Balkon. Die Wildblumen im Balkonkasten recken sich ihr entgegen. Eine Hummel verschwindet in einer Kapuzinerkressen-Blüte. Es ist Sommer. Ich liebe den Sommer. Eigentlich. Und eigentlich wollte ich ihn genießen. Möglichst entspannt und ruhig. Stattdessen fühle ich mich wie eine der Bienen auf meinem Balkon, die hektisch von Blüte zu Blüte fliegen. Mein Kopf ist voll – und dennoch leer. Voll von der Betriebsamkeit nach Lockerung der Corona-Bestimmungen und vor allem voll von all dem Lärm, der an Sommertagen da herrscht, wo (viele) Menschen sind. Nachts Fluglärm und tagsüber neben dem üblichen Verkehrslärm und Nachbarn-Lärm meistens Rasenmäher und andere laute Gartengeräte (stundenlang, versteht sich – und jeden Tag (es muss ja ordentlich sein)). Und leer an Ideen fürs Schreiben und am Gefühl für mich selbst. Mir ist das gerade oft zuviel. Manchmal, wenn ich gerade nicht arbeiten muss, flüchte ich in den Park oder drehe mit Flores eine sehr große Runde in den Feldern und Wildblumenwiesen hinter dem Park. Dort ist es meistens ruhig und menschenleer. Nur der Gesang der Vögel und das Summen der Insekten ist zu hören. Dort habe ich das Gefühl, dass ich aufatmen kann und ein wenig zur Ruhe komme. Dort kann ich den Sommer fühlen.

In den letzten Wochen war ich viel unterwegs und habe mir kaum Ruhepausen gegönnt. Ich habe einiges gemacht, was die ganze Zeit über im Lockdown nicht möglich war. Und dabei außer acht gelassen, dass das ja eine ziemliche Kehrtwende ist … vom Nichtstun zum Allesmachen, von so gut wie nie jemanden treffen zu häufig Leute treffen, von selten unter fremden Menschen sein zu häufig unter fremden Menschen sein … Ich glaube, es ist die Kombination aus Rückkehr zur „Normalität“ und Sommer, die mir als introvertiertem hochsensiblen Menschen doch etwas zu schaffen macht. Nach der langen Zeit der Isolation muss ich mich erst wieder umstellen. Das braucht Energie. Und um diese Energie zu haben, muss ich auf mich achten und mir Zeiten nehmen, in denen ich mir Ruhe gönne. Ich habe gerne Kontakt zu Menschen, aber: Eben dieser Kontakt gerade zu fremden Menschen zieht mir viel Energie ab, und wenn ich meine Grenze nicht erkenne, geht mir die Puste aus. Ich bin gerne in der Großstadt unterwegs. Aber: Danach brauche ich auch wieder viel Zeit alleine, um all die Eindrücke und Reize zu verarbeiten.

Große Mohnblumenliebe

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass man nicht so leben soll, wie man will, sondern so, wie man kann. Dem ist wohl so. Und das heißt für mich, dass ich mir in der nächsten Zeit als Gegensatz zum Trubel und zum lauten Sommerleben auch viel Ruhe und Zeiten zum Entspannen nehmen muss. Mir zum Ausgleich möglichst stille Orte suchen. Weniger machen. Und manchmal helfen auch ein paar Regentage zwischendurch. Sommerregentage habe ich schon immer geliebt. Weil dann zwar draußen immer noch Sommer, es aber trotzdem viel ruhiger und weniger betriebsam ist. Tage zum Durchatmen zwischendurch.

Regentag auf dem Balkon

3 Kommentare zu „Sommerlärm

Schreiben Sie einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Verbinde mit %s