Aufwärts

Ich bin jetzt seit 3 Wochen hier. Heute war der erste Tag, an dem ich mich bei der Morgenrunde nicht mehr so fremd gefühlt habe. Die Unsicherheit, die ich in der letzten Zeit aufgrund all der neuen Dinge wieder verspürt habe, ist weniger geworden. Dafür kommt mein Selbstbewusstsein, das ich mir im Laufe der letzten Jahre Schritt für Schritt aufgebaut hatte (und das während des letzten Jahres ziemlich am Boden war), so langsam wieder zum Vorschein. Es sind viele positive Dinge passiert in den letzten Tagen, kleine Dinge, die mir zeigen, dass es aufwärts geht. Ich bin gerade richtig stolz darauf, was ich in den letzten Wochen geschafft habe – trotz sehr viel Angst vor allem. Es lohnt sich so sehr, die Angst zu überwinden. Die Komfortzone zu verlassen. Das tue ich äußerst ungern. Und eigentlich nie freiwillig. Weil ich immer glaube, es nicht zu schaffen. Aber: so ein Umzug zwingt einen dazu. Er zwingt einen dazu, in vielerlei Hinsicht ins kalte Wasser zu springen. Und dann merkt man, dass man es noch kann, das Schwimmen. Zug für Zug. Und mit jedem Zug wächst das Vertrauen in sich selbst wieder.

Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, dass es jetzt nicht nur immer weiter aufwärts gehen wird. Das weiß ich aus Erfahrung. Solche Entwicklungen sind nicht linear. Es wird wieder Tage geben, an denen ich mich wieder unsicher, unwohl und fremd fühle. Dann trete ich einen Schritt zurück und versuche, geduldig zu sein (vor allem auch mit mir selbst), in der Gewissheit, dass es wieder besser wird. In jedem Fall werde ich die guten Tage umso mehr genießen.

Und sonst? Die Leute auf der Straße glotzen immer noch. Insbesondere geht der Blick in Richtung meiner Beine, wenn ich meine destroyed Jeans trage. Und ganz ernsthaft? Wenn ich mich selbstbewusst fühle wie jetzt, ist mir das wirklich richtig egal. Ich trage seit Jahren, worin ich mich wohlfühle – und das werde ich hier auch nicht ändern. Menschen nach ihrem Kleidungsstil zu beurteilen ist für mich ein Zeichen von enormer Spießigkeit (die es an meinen letzten Wohnorten so nicht gab) und ob so eine eingeschränkte Denkweise auf Dauer für mich das richtige ist? Ich werde sehen.

Wenn ich mal wieder zu streng mit mir bin, hilft ein Blick auf diese Postkarte – so als kleine Erinnerung

2 Kommentare zu „Aufwärts

  1. Wie schön, das zu lesen, liebe Christiana. Ich freue mich aufrichtig mit Dir.

    Das mit der Glotzerei finde ich schon ziemlich krass. Schließlich lebst Du jetzt ja nicht in irgendeinem Dörfchen, dessen 15 Einwohner bisher meinten, ihre Parzelle sei der Planet.

    Menschen auf ihre Kleidung zu reduziren, ist wirklich das Allerletzte, mal abgesehen davon, dass ich nie wirklich weiß, was mir die Kleidung über einen Menschen sagen sollte. – Selbst, wenn ein mensch unsaubere Kleidung tragen sollte, kann es dafür ganz unterschiedliche Gründe geben Die kann ich verstehen oder nicht, die kann ich persönlich auch akzeptieren oder nich – aber selbst das gibt mir doch nicht das Recht, umfassend über diesen Menschen zu urteilen.

    Na ja, unsere Zeiten sind nicht mehr so, dass irgendwas hinterfragt wird. alles, was ein bisschen Anstrengung und Überlegung verlangt, ist per se suspekt.

    Ich glaube, ich mag Deinen Charakter – zumindest lese ich in und zwischen Deinen Zeilen Schönes über ihn. Und mit der Vorstellung, dass Du beim Schreiben dieser, Deiner Zeilen, Dich im „loggersten Jogger“ in Deinem Lieblingssessel wohlfühlst, wäre mir eine ganz und gar wunderbare Vorstellung … –

    Lass Dich von den Glotzern bloß´nicht einschüchtern!

    Viele liebe Grüße an Dich! 🙂🌻

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    1. Danke auch an dieser Stelle noch einmal, lieber Sternflüsterer!

      Ja, ich finde es auch krass … und hätte das hier auch nicht erwartet. Aber ich hoffe, dass es mir mit der Zeit grundsätzlich egaler wird, oder wie du bei meinem letzten Post, so schön schriebst, dass sie irgendwann genug geglotzt haben. Am Freitag war ich in Leipzig und da hat niemand geglotzt … das war richtig erholsam 🙂

      Ohja, da kann ich dir nur zustimmen … ich finde es auch das Letzte, Menschen nach ihrer Kleidung zu beurteilen. Und wie du schon schreibst … man kennt die Gründe für z. B. unsaubere Kleidung nicht und da steht es einem einfach nicht zu, darüber zu urteilen. Ich habe generell Probleme mit Menschen, die nicht über den Tellerrand hinausblicken und nur ihre eingeschränkte Weltsicht haben.

      Das freut mich zu lesen, danke 🙂 Über den „loggersten Jogger“ musste ich richtig lachen, das hatte ich so noch nicht gehört 🙂 Genau, man sollte einfach das tragen, worin man sich wohlfühlt … das war bei mir früher auch nicht so, da habe ich mir über meine Kleidung immer viele Gedanken gemacht. Seit ich einige Jahre in England gelebt hatte, hat sich das geändert. Da wurde nämlich niemand dumm wegen der Kleidung angeschaut, obwohl Dorf. Und die Frauen haben sich auch richtig schick angezogen. Das habe ich mir dort ein wenig abgeschaut – und mich seitdem auch selbstbewusster gefühlt.

      Nochmals liebe Grüße an dich!

      Gefällt 1 Person

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